Beworben wird der XR Crossmax als idealer Trainingsschuh für sämtliche Anforderungen, die der durchschnittliche Trailrunner an einen Schuh stellt. So hat dieses Teil schnell mein Interesse geweckt. Vor allem die Berücksichtigung, dass nicht jeder direkt am Trail startet, sondern erst mal dort hin kommen muss, und dies nicht selten auf Asphalt geschieht, finde ich vom Konzept her schlüssig. Zudem sollte das Teil auch noch leicht sein. So weit so gut. Beim ersten Reinschlupfen hat mir die Passform sehr gut gefallen. Hier habe ich wohl einfach Glück, dass mein Fuß ganz gut zum Leisten passt. Die bekannt Salomonschnürung funktioniert wie immer problemlos, auch wenn ich den Zipper nicht in der Tasche in der Zunge verstauen kann, da mich das Ding dort beginnt zu drücken. Für einen besseren Halt im Schuh muss bei mir der Zipper über und nicht in der Zungentasche sitzen. Zudem schneide ich die Bändel noch kürzer und knote sie anschl. nicht mehr zusammen. So bilden sie keine Schlaufe, die sich im Gestrüpp verfangen kann. Zugegeben, das ist so nicht gedacht, funktioniert aber bei mir bestens. Jetzt aber zum Schuh: Anziehen und drin stehen fühlt sich gut an. Was aber beim Laufen? Die Sohle ist insgesamt recht steif und das in allen Achsen. Das verhindert erst mal einen direkten Bodenkontakt. Zusätzlich wird der noch erschwert durch den hohen Stand über dem Boden. Ich habe es nicht nachgemessen, aber die Sprengung (Höhenunterschied Ferse zu Ballen) ist eher groß. Die fehlende Flexibilität wird beim Laufen zwar durch die vernünftigen Abrolleigenschaften wieder etwas wett gemacht, aber optimal ist das nicht. Beim Gehen merke ich eine eigenartige Kippbewegung durch den Sohlenaufbau und das obwohl der Schuh, in der Form wie ich ihn habe, keine Pronationsstütze besitzt. Ich vermute das liegt an dem vom Rest der Ferse entkoppelten Fersenelement. Aber gut, man will ja in dem Ding laufen und nicht gehen. Richtig schnell will ich dabei aber nicht werden, denn zu dem hohen Stand, der fehlenden Flexibilität und der mutmaßlich hohen Sprengung kommt auch noch ein Gewicht von 364g bei Größe 44/US10 hinzu. Einen aktiven Laufstil unterstützt man anders. Die Sohle bietet mit ihrer Profilform eigentlich gute Voraussetzungen für anspruchsvolles Gelände. Sie nutzt nicht so schnell ab wie die vom XT Wings S-Lab und funktioniert auch auf hartem Untergrund gut. Leider ist die Gummimischung etwas hart. Auf dem bei uns auf der Alb üblichen Kalkstein würde ich sie sogar als ausgesprochen rutschig bezeichnen. Das kann so mancher Straßenflitzer besser. Ich glaube zusätzlich noch an der fehlenden Flexibilität. Der Schuh passt sich dem Untergrund weniger gut an und liegt nur an wenigen Stellen auf. Der Fuß ist in einer passiven Haltung und kann den Untergrund weniger gut erfühlen und erzeugt folglich nicht den richtigen Grip.
Das Obermaterial sieht gut aus und passt sich dem Fuß schön an. Hier würde ich behaupten kann sich der XT Wings was abschauen. Wenn es nicht gerade sehr naß ist, verrichtet es seinen Dienst unauffällig.
Für wen ist der Schuh also eigentlich geeignet? Ich setze ihn wenn überhaupt nur für lange und langsame Läufe ein. Ob ich damit einen Ultratrail lauf wollte? Beim ZUT zumindest habe ich mich dagegen entschieden. Schwere Läufer dürften besser mit ihm zurecht kommen als der agile leichte Typ. Für mich ist und bleibt der XT Wings S-Lab also weiterhin der Favorit. Ich bin gespannt auf die 4-er Version. Diese soll es in zwei Varianten geben: mit der leicht profilierten Sohle wie bisher und einer Sohle für tiefes Geläuf, wie man sie schon vom Crossmax her kennt.
Der Schuh bietet nicht:
- Leichtigkeit
- Flexibilität
- Ansporn für einen aktiven Laufstil
Pluspunkt:
- Führung des Fuß bei der Abrollbewegung
- Dampfung für schwere Läufer
- haltbare Sohle auch für weichen Untergrund geeignet
